stadt der engel

vor jahren im kino, jetzt im TV. ich denke dabei interessanterweise an hesses steppenwolf: beide, seth und harry, fällen eine entscheidung, und sie haben eine - die - entscheidende erkenntnis. beide bejahen zutiefst das leben und sind doch nicht "von dieser welt".
daß maggie, die auch mit einem bein den ursprung nie vergessen hat, am schluß stirbt, ist natürlich tragisch, auf der irdischen ebene jedenfalls. aber andererseits wäre dieser "fall" ja kein echter "fall" gewesen. wir lernen: menschliche erfahrung muss gemacht werden, da gibts kein drumherumkommen.
und außerdem: nur einmal ihre haare berühren, nur einmal ...
ps: die strengen katholiken (und ähnliche) können lernen, daß man das leben leben muß, um verstehen zu lernen

abflug von pauli

um 10h in schwechat. was wir nicht gemacht haben: prater, kartfahren. müssen wir im sommer nachholen.
was immer wir auch gemacht haben, es war zu wenig, wird immer zu wenig und kurz sein, und der abschied immer eine gewalttat.

strom weg!

kurios: heute mittag läutet es an der tür, ich geh wie meistens nicht hin, und 2 min. später ist der strom weg. die waschmaschine läuft gerade, zwei PCs ohne notstrom stürzen in den space, kühlschrank und aquarium sterben vor sich hin, ganz zu schweigen vom videorecorder, der neu programmiert werden muß (!) ... ja was ist denn los?
ich schaue an die tür: eine kuvert, die wien energie meint, ich hätte weder jänner noch märz-rechnung bezahlt, daher muß ich bestraft werden und a) 65 € zahlen, b) den strom abgedreht kriegen. sehr super. ich habe nie eine märz rechnung gekriegt. aber das ist denen wurscht. da soll ich mich doch bei der post beschweren, wenn ich die rechnung nicht gekriegt habe. oder einen einziehungsauftrag machen. na klar doch!
auf der bank dann:
- sie sind heute schon der fünfte, der mit diesem zahlschein kommt, was ist denn da los? -- sehr einfach: sie wollen mal schnelles geld machen, einige leute um 65€ erleichtern. kluge idee!
es gab mal einen verein namens post, die haben sich mit ihrer blödheit auch einige kunden vergrault. so macht das jetzt auch die wienstrom: nach bewährten vorbildern sich selbst schädigen ...
wenn es eine alternative gibt, wechsle ich sofort den stromanbieter.

die pandas

waren kaum zu sehen, weil immer in den büschen unterwegs, aber dafür viele andere tiere .. so richtig gemütlich wirds erst ab 17h, da möchte man ganz hierbleiben und nicht mehr heimgehen.

diese tierchen hier verführen einen in ganz andere welten (ich dachte wieder ein wenig an "solaris"):

medusen

pauli

jetzt, wo paul wieder bei mir ist, ist auch wieder die zeit des fragens und diskutierens gekommen, des roibostee-trinkens und praters, der pandabären und computerspiele ...


gestern wurde zweimal eis am schwedenplatz verdrückt, einmal nachmittags und einmal um 22:30h. empfehlung: topfen-zwetschke und stracciatella - das ist schon was. alleine esse ich ja nie eis, aber mit dem eigenen söhnchen macht das schon gewaltig spaß.

eis1
aua. das war gottseidank keines von uns. als es dem mädchen runterfiel musste ich sadistisch lachen, als einziger, was mich selbst überrascht hat. sehr peinlich. sowas tut man doch nicht ...
heute schauen wir uns die pandabären an, bin auch ich gespannt drauf. immerhin hab ich noch nie pandabären irl gesehen ...

mecca cola

Mecca-Cola kidnappt US-Markensymbol (standard-online)

Der Softdrink Mecca-Cola http://www.mecca-cola.com setzt auf
Antiamerikanismus und nimmt eine der weltweit stärksten Marken der
USA in Geiselhaft. Mit weißer Schrift auf rotem Grund kopiert das
Cola-Getränk das Logo und Design von Coca-Cola. Damit nicht genug
wird das Produkt auch noch mit politischen Inhalten vermarktet, die
sich gegen die globale Hegemonie der USA richten, berichtet das
Branchenportal AdAge.com heute, Montag. Der Softdrink wirbt mit dem
Slogan "Think before you drink" und verspricht ein Zehntel der
Einnahmen an palästinensische Institutionen abzuliefern. Ein weiteres
Zehntel soll an Menschenrechtsorganisationen gehen, die sich für
Palästinenser einsetzen.

Hinter Mecca-Cola steht der aus Tunesien stammende Franzose Tawfik
Mathlouthi. Bei Friedensdemonstrationen in London verteilte er 36.000
Flaschen des Getränks gemeinsam mit 10.000 T-Shirt mit Aufschriften
wie "Stop the war" und "Not in my name". Eine riesige Mecca-Cola-Dose
sorgte für die nötige Aufmerksamkeit und brachte dem Softdrink prompt
eine Erwähnung in der "Sunday Times" http://www.timesonline.co.uk
ein, die den Markenklon als "politisch bevorzugtes" Pendant zu Coke
und Pepsi bezeichnete.

Der Geschäftsmann Mathlouthi hat keine Probleme mit westlichen
Produkten. Aber Coke sei ein "Symbol des Imperialismus". Mit dem
Launch des Softdrinks nehme er sowohl das Symbol als auch die Politik
dahinter ins Visier. Zudem erspare er sich derzeit Werbung für
Mecca-Cola. Die besorge nämlich der US-Präsident mit "all seiner
Aggression und seiner Kriegslogik" für ihn. Das die Werbung wirkt
zeigen 800.000 verkaufte Flaschen Mecca-Cola in Großbritannien,
dieselbe Menge in Frankreich und eine Mio. im Nahen Osten. 16 Mio.
Flaschen seien schon vorbestellt. Die politische Verpackung des
Softdrinks zeigt somit Wirkung. Eine Bedrohung in Marktanteilen für
das Original sei der Markenklon aber nicht, so ein Experte der
Branchenpublikation Beverage Digest
http://www.beverage-digest.com

Fahimeh Farsaie

auf freitag.de

OFFENER BRIEF DER IRANISCHEN SCHRIFTSTELLERIN FAHIMEH FARSAIE AN GEORGE BUSH

Sehr geehrter Herr Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush,

Sie feiern nun majestätisch Ihren militärischen Triumph gegen den Irak mit Ihren Verbündeten und Unterstützern. Ihr Erfolg ist gleichzeitig der heiß begehrte Sieg der US-amerikanischen Rüstungsindustrie. Denn sie wird in diesem Jahr, nach Berechnungen des US-Außenministeriums, wunderbringende Rüstungsgüter im Wert von 14 Milliarden Dollar verkaufen können. Mit ruhigem Gewissen freut sie sich auf die Wiederherstellung der mehr als 9000 Bomben, die in den Kriegstagen über dem Irak abgeworfen wurden. Ich komme aus einem Land, das vermutlich in absehbarer Zeit eventuell eine Menge von Ihren perfekten Bomben abbekommen wird. Ich stamme nämlich aus einem der Länder der sogenannten »Axis of Evil«, aus dem Iran. Ich bin persische Schriftstellerin und dennoch oder gerade deshalb bewundere ich Sie.

Ich muss aber zugeben, dass ich erst kurz vor diesem Frühlingsanfang die wunderbar verwirrende Bewunderung in mir spürte, als Sie für den seit Ihrer Amtseinführung geplanten Irak-Angriff im Namen der Freiheit warben. Vor diesem unerwarteten Sinneswandel war ich besessen von einem erstaunlich reizvollen Hass gegen Amerika und seine Außenpolitik. Gegen diesen merklich zügellosen Abscheu war ich fast machtlos. Er nahm mich als naive Jugendliche ein und vermehrte sich unwillkürlich in mir. Als Sie in Ihrem historischen Auftritt, den ich im Fernsehen verfolgte, mit erhobenem Zeigefinger die Welt wissen ließen, dass die US-Truppen bald die Gefahr Saddams »auslöschen werde«, verlöschte in mir ebenfalls jene quälende Abscheu und stattdessen erblühte augenblicklich eine einleuchtende Bewunderung. Ich schaute mir jene eindrucksvolle Szene, in deren Hintergrund das prächtige amerikanische Sternenbanner feierlich flatterte, an und fühlte mich von meinem unzüchtigen Hass befreit.

Zugegebenermaßen habe ich mich kaum in all diesen Jahren mit den Ursachen jener Abneigung gegen die Supermacht USA gründlich beschäftigt. Erst in dem erleuchtenden Moment der Bewunderung habe ich mich gefragt, was mich als junge, erfolgreiche Juristin und Schriftstellerin im Iran, die sich immer für die Demokratie und Gerechtigkeit einsetzte, dazu bewegte, den »Vorkämpfer der freien Welt«, als Feind zu betrachten und dagegen zu kämpfen? Und dazu auch noch bewaffnet?

Dafür musste ich zuerst mit mir selbst ringen und einige meiner elementaren Prinzipien opfern; Pazifismus etwa, Glaube an Gewaltlosigkeit, Antimilitarismus. Es war kurz nach dem Sturz des Schah im Jahre 1979. Da tobte der Iran-Irak Krieg: eine Zeit des Grauens, der Lebensmittelknappheit, des nächtlichen Bombardements durch Saddams Militär, das uns mit amerikanischer Unterstützung »Freiheit« schenken wollte.

In dieser Zeit stand ich morgens immer gegen fünf Uhr auf. Zuerst machte ich meine damals achtmonatige Tochter fertig, dann musste ich stundenlang Schlange stehen, um für mein Kind Milch zu bekommen und danach bin ich zur nächsten Moschee, um den Umgang mit Waffen zu lernen. Die Gefahr, dass Saddam mit amerikanischer Hilfe mein Land erobern konnte, war nicht gering. Daher habe ich mich einer von der islamischen Regierung angebotenen militärischen Ausbildung für die Bevölkerung angeschlossen, um uns verteidigen zu können.

In der Moschee meines Viertels waren wir circa 20 Frauen, gehüllt in lange Mäntel und Kopftücher. Wir wälzten uns auf den persischen Teppichen, lernten militärische Übungen, Schießen und Abwehrtechniken. Meine Tochter saß gemütlich in ihrem Babystuhl - den schleppte ich jeden Tag mit -, nuckelte an ihrer Milchflasche und lächelte uns unwissend an.

An diese nun mir absolut lächerlich erscheinende Szene habe ich mich sofort erinnert, als Sie im Fernsehen als Weltverbesserer auftraten. Dabei musste ich an den CIA-Putsch im Jahr 1953 denken, durch den Mossadegh, der demokratisch gewählte Premierminister Irans, »ausgelöscht« wurde. Stattdessen unterstützte Ihr ebenfalls demokratisch gewählter Kollege, Ex-Präsident Nixon das Schah-Regime, das im folgenden Vierteljahrhundert als ein zentraler Stützpfeiler der US-Strategie im Nahen Osten fungierte. Aus Dankbarkeit Ihrem Land gegenüber für die Rückgabe der Macht an ihn, ließ der Schah das amerikanische Militär und die CIA Stützpunkte auf iranischem Boden unterhalten, von denen aus sie die benachbarte UdSSR ausspionierten. Ihr Ex-Präsident setzte dann die Armee des Schahs gegen nationale Befreiungskämpfe in der Golfregion ein und sie brachte unzählig unschuldige Menschen um. Um alles unter Kontrolle zu haben, bildeten dann die amerikanischen Berater die verhasste Geheimpolizei des Schahs - SAVAK - aus, die die Verschleppungen, den Mord und die Folter Tausender Perser auf dem Gewissen hat. Von den Gräueltaten der SAVAK war auch ich betroffen. Wegen der Veröffentlichung einer kritischen Erzählung musste ich monatelang im berüchtigten Ghassr-Gefängnis sitzen. »Schicksal,« sagt meine Tochter, die inzwischen so jung ist wie ich damals war: »Du lebst ja nur in der Vergangenheit. Blick nach vorne!«

Ich blicke nach vorne und sehe Sie im Fernsehen in der Rolle eines charmanten Weltrichters, der mit edlen Worten seinen »in der Geschichte zivilisierter Nationen nahezu beispiellosen« Krieg ankündigt. Dass Sie mit weicher Stimme über die gnadenlose Ausübung der technisch hoch ausgerüsteten US-Militärgewalt gegen Iraker redeten, versetzte mich in gewaltiges Staunen. Das Wort »Krieg« benutzten Sie kaum. Statt dessen sprachen Sie mit ihrem anmutigen Blick, für den die Amerikaner Sie lieben, von »Frieden« und »Freiheit«. Mit rhetorischen Salven faszinierten Sie mich und die Mehrheit Ihrer eigenen Bevölkerung. Da war es für mich und die meisten Amerikaner irrelevant, dass Sie die fairen Ansichten der Weltgemeinschaft ignorierten und das internationale Recht brachen.

Ich bewundere Sie, weil Sie mit einer beneidenswerten Kühnheit, geschickten Fakten-Schminkereien und vorsätzlicher Täuschung einem Teil der Welt und dem amerikanischen Volk vormachten, dass Ihr Krieg ein gerechter Krieg sei. Denn, laut Aussagen des Regierungssprechers Scott McClellan existierten alle Quellen, auf die Sie sich bezogen, um den Angriff gegen den Irak zu rechtfertigen, nicht: so die angeblichen Berichte der Internationalen Atom-Energie-Behörde (IAEA) von 1991 und 2002, die Artikel aus der London Times und New York Times, die angeblichen Beweise der CIA-Informanten, die Satellitenbilder und so weiter.

Nun feiern Sie Ihren militärischen Sieg, und fast die ganze Welt freut sich ungemein, während Sie nebenbei mit den anderen Mächten um die Verteilung der »Kriegsbeute« schachern. Als meine Tochter diese mitbekommen hat, fragte sie mich enttäuscht: »Was denn? Bist du gegen oder für den Krieg? Willst du, dass noch mehr unschuldige Menschen sterben?«

Genau deshalb bewundere ich Sie: Mit ihrer militärischen und politischen Überlegenheit drängen Sie die Menschheit in eine Lage, in der sie den Teufel nur mit dem Beelzebub austreiben kann. Das gilt auch für Ihr nächstes Ziel, den Iran. Ist das nicht bewundernswert?

Hochachtungsvoll Fahimeh Farsaie

Fahimeh Farsaie, Autorin und freie Journalistin, geboren 1952 in Teheran, lebt in Köln. Von ihr erschienen die Romane und Erzählungen: Die gläserne Heimat (1989), Vergiftete Zeit (1991 ), Flucht und andere Erzählungen (1994), Hüte dich von den Männern, mein Sohn (1998)

habermas: die autorität amerikas liegt in trümmern

"Machen wir uns nichts vor: Die normative Autorität Amerikas liegt in Trümmern", stellte Habermas in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Donnerstagsausgabe) fest.

Die "triumphale Freude", die Hans Magnus Enzensberger angesichts der Bilder vom Sturz der Standbilder Saddam Husseins bekundete, läßt Habermas zwar als moralisches Gefühl gelten, das ein Moment der Wahrheit enthalte.

Er gibt aber zu bedenken, daß der Wert der Freiheit in Regeln der Selbstbindung Gestalt annimmt. Der Bush-Doktrin einseitiger Tyrannenbekämpfung, die auf eine Revolution der Weltordnung hinauslaufe, hält Habermas, der in Amerika hohes Ansehen genießt, die Einsicht des philosophischen Pragmatismus entgegen, daß Gerechtigkeit nicht exportiert werden kann, sondern im Streit der Parteien durch gegenseitige Perspektivenübernahme entsteht.

so der spiegel. ich treffe auch hier bei uns auf diese beiden positionen. und ich begreife auch die enzensbergers. das dilemma besteht in der scheinbaren unvereinbarkeit der beiden standpunkte: krieg oder nicht krieg? wenn wolf biermann sich für den krieg auspricht, übersieht er die andere seite dieser politik, er übersieht die anderen ziele, für mich die primären ziele, die die USA verfolgen, aus lauter archaischer befreiungswut.
diese begeisterung, um ein postitiv besetztes wort zu verwenden, basiert allein oder vor allem auf den je biograhpischen erlebnissen der kriegs- und unmittelbaren nachkriegszeit.
auch lingens hat dieses 'problem', nur kann er natürlich nur einen bruchteil der gedanklichen klarheit eines enzensbergers bei sich vorfinden, ganz zu schweigen von habermas.

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