Als wäre Krieg etwas wie das Wetter

Heute höre ich auf Ö1:
"... 1917 tobte der Erste Weltkrieg in seiner letzten Phase über Europa ..."
Als wäre Krieg etwas wie das Wetter.
Es gibt genug Beispiele: Inflation, Börsenkurse, Kriege, Preise, immer dasselbe. "Die Preise sind gestiegen." "Wir haben eine Inflation."
Als wären das Faktoren, die nicht von uns gemacht sind. Wir bringen uns gegenseitig um und quälen uns, das ist nicht etwas schicksalhaftes wie das Wetter (nicht mal das ist schicksalhaft) sondern eine eigenverantwortliche Tat. Wenn "Wirtschaftwissenschaftler" sagen, "der Markt" reguliere sich selbst meinen sie ja nur, dass die Psychologie der Menschen und ihres Handelns/Konkurrenzverhaltens etc. berechenbar scheint.

Twoday -> antville

Jetzt hab ich es auch kapiert, 2day lebt weiter als Einsiedlerkrebs-Kolonie, das gefällt mir sehr gut. Der Nomade ist sozusagen heimgekehrt. Wie wir alle immer Nomaden sein werden, siehe auch https://www.deutschlandfunk.de/bruce-chatwin-briefe-aus-dem-nachlass-eines-nomaden.700.de.html?dram:article_id=301224.
Ich denke gerade an die alten Tage, an die beiden Bücher, die die Knallgrauen mit und für 2day gemacht haben; bei einer Präsentation war ich auch dabei; Gregor Seeberg hat vorgelesen, das war schon epochal. Was war das für ein Aufbruchsgefühl, trotz der politischen Verhältnisse im Land (oder gerade wegen ihnen?).
Retrospektiv noch stärker empfunden als damals in Echtzeit.
Ich würde gern wissen, wo sie alle sind ... Ameisen geworden?

Zeit und Holl

1)
ich weiß nicht, wie, doch plötzlich stolpere ich im netz über die meldung, dass twoday geschlossen wurde und alle inhalte weg sind. das will ich überprüfen und finde mein altes blog - beim dritten versuch hatte ich mein altes passwort gefunden. und ich lese und --- mache eine kleine zeitreise. wie nah und doch so fern.
so ist das mit der zeit: sie ist ein illusion, aber eine mit folgen, nämlich solchen der veränderung: geschieht diese doch immer entlang der zeit. selten auch explosiv, schlagartig. dann ist die zeitspanne eben sehr kurz. und es gab eine vorlaufzeit. das bitte zu bedenken.

2)
"Holl? Blieb das (linke) gute Gewissen dieser Strömung. Der streitbar-heitere Publizist erhielt 2018 noch eine umfassende Biografie aus der Feder von Harald Klauhs geschenkt ("Holl. Bilanz eines rebellischen Lebens"). Jetzt ist er in Wien fast 90-jährig gestorben. Gut möglich, dass er, angekommen in den Gefilden der Seligen, den Lieben Gott bei Bedarf mit einigen Widerworten beschenken wird. (Ronald Pohl, 23.1.2020)" heute im Standard https://www.derstandard.at/story/2000113651476/kirchenkritiker-adolf-holl-ist-tot

meltemi

er hat sich auch nach dem kykladischen nordwind benannt, weil er dessen eigenschaften in sich gefunden zu haben glaubt: für stetige abkühlung zu sorgen, und gelegentlich kräftig zu nerven ... ohne meltemi aber wären die kykladen im sommer ein gluthöllte, angeblich sind sie es auch mit ihm, sagt spyros aus piräus: von jahr zu jahr wird der juli/august heißer.

loriot ist in die ewigkeit gegangen, er, der immer außerhalb seiner zeit war; ansonsten lese ich viel erschreckendes in den medien - gut, dass alles so weit weg bleibt. nur sonne, meer, meltemi, der gleichnamige parische rotwein und private dinge bewegen mich. manches menschliches auch. (die verlogenen schlagzeilen verlogener journalisten über verlogene politiker und ökonomen interessieren mich wenig. ich wünscht, ich hätte mit dem nie mehr etwas zu tun. aber wer kann sich ganz den medien entziehen? wenigstens dein nachbar oder ein liftfahrer spricht dich drauf an.)

die zeit geht, manchmal langsamer, manchmal schneller. inhärente melancholie: trauer um das schöne, das vergeht.
aber noch IST zeit. und ich lebe.
was für ein wort: LEBEN.

es ertragen - loslassen

was haben wir noch gelernt? außer: es zu ertragen - falls wir das gelernt haben?
hängt ab von unseren zielen: ob es uns genügt, unsere zeit abzuwarten mit vergnügungen, sensationen, banalen oder weniger banalen aufgaben. haben wir ziele? außer jenen, die wir haben sollten?
kann es mehr sein? was könnte mehr sein, als immer materielle ziele? bedürfnisbefriedigung? was sind nicht-materielle ziele? glücklichsein, wohlbefinden, gesundheit?
sinn? erkenntnis?
freiheit: wovon? wozu?
alles vergessen: geht das?

alles loslassen ... fließen (nicht treiben) ... sein

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