ad schwachsinn und USA

klare worte in diesem interview. man hat das gefühl, als würde das halbe gehirn in lähmung verfallen, wenn man es liest. wer in einer lage, wie sie sich im nahen osten durch jahrzehntelange fehl- bzw. eigennützige politik gewachsen, präsentiert, mit aggressiver politik punkten will, muß auf beiden augen blind sein. die selbe einfache voraussicht, die mir die folgen des US-krieges gehen den irak so vorführte, wie sie sich jetzt quälend vor unseren augen vorwärtstreiben, die selbe voraussicht sagt mir, daß jegliche gewalttätige oder politisch unintelligente eingriffe in die prozesse des nahen ostens unvorstellbare katastrophen auslösen können. das schlimme ist, daß die gruppe von entscheidungsträgern, die an der macht sind, gerade diese katastrophen will - bewußt oder unbewußt. und daß die mehrheit des amerikanische wählervolkes diese zu erwartenden taten befürtwortet, ja erst ermöglicht.
bushs gesamte aktivität seit 9/11 ist durch seine wiederwahl von den wählern unterschrieben und bestätigt worden, und für seine "four more years" ist die wahl als eine blankounterschrift für alle künftigen aggressiven akte zu sehen. niemand wird ihn aufhalten, und die nagelprobe für die EU wird -- hoffentlich positive (ich glaube es deshalb nicht, weil es keinen grund gibt, das zu glauben) -- überraschungen bringen.

warum hat es so kommen müssen? warum dieser rechtsruck auf der ganzen welt?
warum sieht man einer rechtslastigen partei fehler, auch schwere fehler quasi mit einem augenzwinkern nach, während eine linke partei bei jedem kleinsten ausrutscher komplett das gesicht verliert? weist das auf eine "naturnähe" der meisten menschen zu konservativen parteien hin? und wäre das wiederum ein indiz für die ängstlichkeit und gedankenlosigkeit der mehrzahl der menschen?
ferromonte - 11. Nov, 17:05

der rechtsruck ist die ängstliche antwort der mehrheit auf die verunsicherungen, die durch die rasanten entwicklungen in technik und wirtschaft, durch die in diesem ausmaß noch nie vorher dagewesene eigenverantwortlichkeit (freiheit), entscheidungsmöglichkeit und gleichzeitig ohnmacht, entstanden sind. es ist in unseren breiten nicht einfach, mit der eigenen identität zurande zu kommen. "man selbst" zu sein ist eine chronische harte anforderung, die viele einfach in die knie zwingt, daher auch die vielen depressionen und gemüts-störungen.
phrasen mit einfachen, althergebrachten "lösungen", konservative "werte", alte vorurteile, religiöse schriftgläubigkeit, neue und alte feindbilder, kleine und größere mittel der unterdückung, demütigung, unverhohlene machtdemonstrationen - das beeidruckt die mehrheiten und gibt ihnen das gefühl, in der gewohnten richtigen welt zu leben.
dagegen ist wohl kein kraut gewachsen, man muß warten, bis wieder der andere pol schwingen kann, bis sich die phrasen totgelaufen haben, die leichenberge zu groß geworden sind und das bedürfnis nach anderen dingen des friedens wieder stärker wird als die angst vor sich selbst, vor der zukunft, vor dem eigen(verantwortlich)en leben.

Ostracised - 12. Nov, 10:41

obwohl es natürlich gefährlich ist, so distanziert über die 'mehrheit' oder masse zu urteilen, hast du im kern vielleicht nicht so unrecht. anekdote aus meiner schulzeit, philosophiestunde (oder wars psychologie?). aufgabe: schreibe eine skizze einer positiven utopie. Schüler A: eine Ameisengesellschaft in ihrem Bau, eine vollkommene Ordnung und Hierarchie, ich als Arbeiter in einer Gruppe irgendwo mittendrin. Schüler B: alle rennen herum und stoßen manchmal irgendwie zusammen, keiner kennt sich aus. A: die utopie von B ist eine negative. B: nein, deine ist negativ. Lehrerin: ich finde das spannend [lieblingswort], beide utopien sind sehr symptomatisch. da hatte die frau wohl recht. trotzdem sollten sich die beiden, idealerweise, im späteren leben einander annähern.

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