wahrnehmungen

draußen am eis

heute waren wir in sonne und kälte draußen auf dem eis das altwassers. von gestern auf heute hat das eis einige zentimeter zugelegt und den paul trägt es jetzt schon. ich selber trau mich nicht wirklich hinaus aufs eis, immerhin wiege ich mehr als doppelt so viel wie pauli.
da war eine familie mit ihren zwei kindern, und die mutter war tatsächlich mit den beiden kindern mit schlittschuhen auf dem eis. und niemand brach ein.
unter dem eis schienen wasser, boden und steine durch: wie ein dickes glas so klar.
wenn man steine über der eisoberfläche weit hinausschiessen lässt, hört man eine schwingendes, knallendes und vibrierendes geräusch, das weithin zu hören ist und sehr beeindruckend ist.
das zauberhafte macht die sonne aus: das licht, das sich in allen unebenheiten und kleinigkeiten spiegelt, das alles belebt und allen dingen farben gibt.
was für herrliche tage.

mutig

laufen. wintasun.

unter den schuhen knirschen die eiskristalle des rauhreifs, der auf den grashalmen liegt. im schatten hat er sich fast bis mittags gehalten.
man friert, wenn man zu laufen beginnt, denn die kälte dringt fast ungehemmt durch die dünnen kleider. bald wird wärme von innen heraus den körper durchfluten, bis in die fingerspitzen, und kein bißchen kälte mehr wird spürbar sein. man findet den rhythmus und läuft leicht und ohne gewicht hinaus, durch die felder dem altwasser zu. kalte luft durch die nase eingesogen, warme feuchte luft durch den mund ausgeatmet; linker fuß, rechter fuß, man fühlt das herz schlagen und freut sich über den klang, man fühlt die eigene stärke und gesundheit und ist glücklich darüber.
mit dem laufen stellen sich die gedanken ein: was liegt an, was ist zu erledigen, was war in den letzten tagen. wie fühlt sich die seele. aber auch unmotivierte erinnerungen an weit zurückliegende ereignisse: kindheitserinnerungen, bergerinnerungen. was letzten winter um diese zeit war, wie lange das eis gehalten hat diesen frühling.
einschwenken in den nationalpark donauauen, hundert oder etwas mehr meter bis zum wasser. ob nach dieser frostigen nacht schon eis zu sehen ist? sicher ... und ja, es glitzert schon aus einiger entfernung, das ist eis. am ufer sieht man es dann genau: pflanzliche formen bilden die eiskristalle, wie riesige "tropische" eisblumen blinkt es herüber, an einigen stellen von den sonnenstrahlen auch schon wieder aufgelöst. wunderschön. weiter vorne liegt ein baum im wasser, von bibern gefällt. bei dem niedrigen wasserstand sieht er fast urzeitlich aus, so halb im wasser, als würde er nicht ganz versinken können in einem tertiären moor.
alles lichtdurchflutet. kalte klare luft. blauer himmel.
man will stehen bleiben, läuft aber doch weiter, wenn auch langsamer. findet einen neuen rhythmus: 4 schritte, einatmen, 4 schritte, ausatmen. so kann man mehr beobachten. bleibt man doch einmal stehen, rollt die natur wie eine brandungswelle über einen, man empfindet ihre schönheit körperlich, neuronal, wie einen sanften elektrischen schock.
am ende des wasserarmes spuren der anderen: unzählige steine auf dem eis, die versuche die eisdecke zu durchbrechen sind offenbar gescheitert. an schattigen stellen entlang des wasserarmes hat man gesehen: stellenweise mehrere zentimeter dickes eis. drüberlaufen sollte man aber noch nicht versuchen.
den rest der strecke absolviert man fern vom wasser: vertraute wiesenstücke, die man in allen jahrezeiten kennt, vorbei an den schlafenden bienentrögen (was die bienen so tun im winter ...) und vakanten weidewiesen, und immer wieder die große freude, so ganz all-ein durch die gegend zu streifen, niemand unterwegs, höchstens einige krähen und andere vögel, schwäne und enten am wasser.
der körper ist warm geworden, in der jacke hat man leicht zu schwitzen begonnen, und das ist gut so. das sinnliche gefühl, von der körperlichen arbeit zu schwitzen; den eigenen körper ohne schmerz und jegliche beeinträchtigung voll funktionstücktig zu erleben, ist immer wieder ein hochgefühl: zufriedenheit, lebendigkeit, lust am leben.
den letzten kilometer läuft man mit der vorfreude auf das 'ausdampfen' in der warmen wohnung, die anschließende dusche und den kleinen imbiß, den man zu sich nehmen wird. das wasser, das langsam und kühl die kehle runterrinnen und den wasserverlust des organismus ausgleichen wird. das durstgefühl stillen wird.

dann fühlt man sich breit für kommendes.

nebel

in diesem dichten nebel verlieren sich die geräusche alle. in meinem zimmer scheint es nur das surren des CPU-ventilators und der festplatten zu geben, und ich sehne mich nach schnee: seine dichten flocken würden die stille vollkommen machen, und die stadt mit einer märchenhaften weißen hülle überziehen, die alles zudecken kann: lärm, schmutz, graue hässlichkeiten.
wohl wüsste ich dann um deren verdeckte existenz, aber ich könnte ihre temporäre verbannung genießen. und es wäre heller, weil der schnee das wenige licht vielfach reflektiert ...

bittere weihnachten

weihnachten war einmal etwas magisches: die geheimnissvollste zeit im jahr. geruch von tannenzweigen und kerzenwachs, kleine sachen, selbst gemachtes. sicher auch geschenke, aber die waren nur das sahnehäubchen. die feierlichkeit und die stimmung waren das wesentliche.
mag sein, daß solche empfindungen mit der kindheit zusammengehen und eben nur einmal, in den ersten zehn jahren des lebens zu wahrgenommen werden, mag sein, daß nur kinder weihnachten wirklich erleben können, sofern man ihnen ein solches weihnachtsfest bereitet.
wenn ich aber jetzt durch die strassen gehe, sehe ich, wie die geschäftsleute alle etwa zur selben zeit ihre sterne, ihr glitzerzeug und ihre krampusse in die auslagen stellen. im supermarkt stehen schon seit wochen die schokoladenikolos palettenweise in kassanähe, und auch christbaumschmuck und alles andere. dann merke ich wieder, daß es dieses weihnachten nicht mehr gibt, weil es in uns nicht mehr stattfindet. weihnachten ist ein reines konsumfest, das von werbung, wirtschaft und marketing diktiert wird. ich verweigere es schon lange, weil ich meine zuneigung spontan ausdrücke und nur dann was schenke, wenn ich es möchte.
die echte weihnachtsstimmung vermisse ich aber sehr, so wie es damals war. damit wurde das jahr rund, es wurde einem warm, auch wenn es kalt war, und ein gefühl von gemeinsamkeit war zu spüren. ich müsste wohl kinder haben, die selbst intakte familien und eigene kinder haben, und als großvater könnte ich dann vielleicht, vielleicht! mit ihnen noch einmal das erleben ... sofern diese zeiten nicht für immer der vergangenheit angehören.

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