IKG, muzikant und österreich

ich hatte ja schon einmal das thema aufgegriffen. so einfach aber ist das doch nicht alles, selbst wenn sich herr muzikant eindeutig unvorteilhaft verhält und in der öffentlichkeit ebenso ausdrückt. die berichte in den zeitungen geben auch keine details her, und wenn ich die hompage der IKG ansehe, finde ich zu beginn bei der präsentation des organes der IKG "die gemeinde" einen artikel "aus dem büro des präsidenten": eine rede zur lage der nation von a. muzikant, die alle vorurteile wieder nur bestätigt. insgesamt ist die website doch gelungen, es ist sehr viel information zu finden über ausbildung, religion, historisches; auffällig und störend immer der opfer-ton, die vorhaltungen, und eine auffallend unkritische haltung den geschehnissen im nahen osten gegenüber. da wird deutlich auf die zweifelhafte vergangenheit des österreichischen nobelpreisträgers konrad lorenz hingewisesen, aber kein wörtchen etwa über ariel sharon und den mauerbau in israel. auch eine immobilienseite findet sich dort (nur scheint sie nicht zu funktionieren), man denkt unwillkürlich an a. muzikant, der ja mit immobileien handelt. ist das falsch?
das alles hinterlässt viel unklarheit. was wäre nötig, um die angelegenheit objektiver betrachten zu können?
einmal zahlen und fakten: es müsste nachvollziehbar sein, was die IKG einnimmt und ausgibt. wieviel sie vom staat bekommt, wofür diese gelder verwendet werden. wie das enorme defizit zustande kommt.
dann historische genauigkeit: was ist seit '45 in wien genau geschehen?
es steht außer frage, daß eine moralische verpflichtung der IKG gegenüber vorhanden ist. und es steht außer frage, daß die IKG unterstützt werden muß und erhalten, wo die 6000 mitglieder überfordert sind.
in so einer sensiblen materie sollten aber nicht nur österreichische politiker sehr bedacht zu worte gehen, auch der präsident der IKG sollte sich genau überlegen, was er sagt. denn sein verhalten bisher ist eigentlich nur dazu gut, das alte gespenst des antisemitismus wieder hervorzurufen; (erschütternde postings im schutzmantel der anonymität ..)
was ich grundsätzlich ablehne, ist eine art erbschuld ohne ende und damit verbunde lebenslängliche restitutionszahlungen. den "nachgeborenen" kann nicht die verantwortung (auch nicht die moralische) übertragen werden für das, was eine mördergesellschaft vor mehr als 50 jahren angerichtet hat. ich stehe selbst noch immer fassungslos vor den ereignissen in den 30er und 40er jahren des 20. jhdt., aber mein grauen ist nicht mit schuldgefühlen den nachkommen der opfer gegenüber verbunden. restitutionszahlungen für überlebende und angehörige von opfern, ja, nicht aber für deren enkel und deren nachkommen. das ist unsinnig und geht auch nicht.

links:
http://www.bka.gv.at/bka/aps/aps2003/aps4903.html#1
rip - 19. Jul, 13:15

keine frage der "erbschuld",


ferromonte - 19. Jul, 14:05

rauscher-artikel

da sind menasse, heller, schindel, rabinovic und jelinek als nachfolger von kraus, freud, mahler etc. angeführt.
was den angeführten gemeinsam ist, ist eben ihre künstlerische potenz, ihr vermögen, auf dem kunstmarkt sich nicht nur durchzusetzen sondern auch erfolgreich zu sein. und ihre jüdische herkunft.
kulturelles gewissen: das heißt doch im klartext, wir sollen uns darüber im klaren sein, daß viele der spitzen der "österreichischen" kultur damals wie heute eben jüdischer abstammung sind.
ist nicht allein diese feststellung ein zugeständnis zum rassismus?
warum müssen immer die unterschiedlichkeiten betont werden? warum müssen manche immer ihr eigenes süppchen kochen?
ich kann nachvollziehen, daß die jüdische religion ihren eigenen ritus und ihre eigenen tradition hat, und daß das in der IKG gelehrt werden will und soll. schulen, kulturelle veranstaltungen usw. ja, ok. soll gefördert werden, wie eben auch rest-österreichische kuturelle belange gefördert werden. wenn ein literaturpreis vom BKA vergeben wird oder ein förderstipendium, dann wird es dort keine rolle spielen, ob der preisträger mosaischen bekenntnisses ist, röm. kath. oder o.b.
die frage der "erbschuld" ist doch vorhanden. nicht nur in den argumentationen beider seiten, man arbeitet mit schuldkoplexen, das ist wichtig zu sehen, denn daraus kann neuerlich antisemitismus wachsen.
s. wiesenthal hat einmal vor laufender kamera gesagt: "niemals vergessen und niemals vergeben."
das ist nichts anderes als eine kriegsansage. richtig muß es heißen: "vergeben, aber niemals vergessen."

der rat an schüssel, in kraus' werken zu blättern, ist - sofern kein zynismus - wohlgemeint. aber schüssel wäre vielleicht besser mit der "strudlhofstiege" beraten.
rip - 19. Jul, 15:14

schon richtig,

gegen die ausdrückliche betonung bin ich normalerweise auch. sichtlich muss das aber sein, sonst vergessen wir, woher wir kommen und wer wir sind. so wie wir "echten wiener" aus ungarn, böhmen, tschechen, etc. stammen, waren es bis vor dem holocaust jüdische familien. ein hilmar kabas hat ja auch längst vergessen, woher sein name rührt.

und immer wieder wird argumentiert mit der sogenannten "jüdischen weltverschwörung" - nicht wortwörtlich, aber in den hinterköpfen steckt das immer noch fest.

wiesenthals aussage finde ich aber auch nicht ok, da muss ich zustimmen.

btw, die strudlhofstiege hab ich leider nicht gelesen.

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