Große Literatur entsteht schon seit Jahren vor unseren Augen und vor unserer Haustür, im hässlichen, von der Geschichte versehrten Osten Europas. Und der Nobelpreisträger Imre Kertész ist ihr radikalster, unbeirrbarer Agent.
[via
Die Zeit]
es scheint, als hätten wir jetzt (endlich) eine schwelle erreicht seit 1945, an der wir uns mit hilfe einiger weniger seelisch starker und fähiger menschen auf eine neue, machbarere art mit der ungeheuerlichkeit des wahnsinns der KZs auseinandersetzen können. ein thema, das uns alle absolut was angeht. auch jene, die nichts davon wissen wollen.
ferromonte - 11. Okt. 2003, 23:53
was für eine tolle
idee: vielleicht fahren viele autos bald mit pisse, wer weiß. ich kann mir schon denken, warum die autoindustrie so an den verbrennungsmotoren festhält. schließlich haben sie ja auch jahrzehntelang technische entwicklung reingesteckt, da fährt man dann lieber mit lulu als neue technologien zu verwenden/entwickeln.
ferromonte - 11. Okt. 2003, 8:55
Dieses Buch wartet schon seit 30 Jahren im Regal, in die Hand genommen, angefangen, Staub abgeblasen, weggelegt, noch ein Versuch. Schon der Titel klang als ewiges poetisches Versprechen - Unter dem Milchwald. Vermutlich erklärt sich die Hemmung als Spätfolge jenes Drama-lesen-Syndroms der Mittelstufe, das eine lebenslange Abneigung gegen verteiltes Rollensprechen hervorrief. [via
Die Zeit 41 / 2003 - Heidkamp: Das Gleiche noch mal, Miss]
nicht nur wegen des durchaus interessanten inhaltes - wer wußte schon mehr über dylan thomas, als daß er der namensgeber von bob dylan war - , sondern vor allem wegen des wortes MISS. :-)
ferromonte - 10. Okt. 2003, 10:03
ich erinnere mich noch, wie 1995 schon einmal so ein medienhype war, sozusagen die erste huldigung des starken mannes.
da wurde mit der hilfe der medienwelt und im kielwasser von arnies erfolg bei dabbljuhu's vater, george bush I, die unglaubliche intelligenz arnolds entdeckt, und vor allem das bodybuildig aus der komplexlerecke geholt: innerhalb kürzester zeit wurde bodybuilding als gesunder sport verkauft. man hatte neue einnahmequellen erschlossen. das dumme volk hat es willig angenommen, und seither gehen sie in die fitnesstudios, legen dort ihre kohle ab und lassen sich von "knackigen" typen erklären, welches "programm" für sie am besten ist und wie sie ihre problemzonen wieder hinkriegen. nun, an der dummheit der leute geld zu verdienen ist ja nichts verwerfliches, oder doch? wie auch immer, im zuge dessen aber wurde arnold plötzlich als intelligenzbestie erkannt.
wenn sich jemand zu inszenieren versteht heißt das noch lange nicht, daß er auch intelligent sein muß. da bleibt intelligenz halt eine frage der definition. bei uns aber ist jeder intelligent, der nicht blöd ist: mörtel lugner genauso wie haider, grasser usw. aber ist eine großartige karriere, milliardenschwere, prominenz und kultstatus ein notwendiges korrelat von intelligenz?
es ist nicht auszuschließen, daß ein intelligenter mensch eine kultfigur/star werden kann, reich und bekannt. aber umgekehrt zu schließen, daß jeder star ein genie sein muß, ist nicht unbedingt intelligent. auch nicht logisch.
für uns gilt: um ein tadelloses mitgleid einer schafherde sein zu können, muß man vor allem ein schaf sein. und: ein schlechter witz wird auch durch mehrmaliges wiederholen nicht besser.
arnie's biographie kommt dem deix-östereicher schon sehr entgegen, indem sie ihm identifikationsmöglichkeiten, gleich mehrere, bietet: der hohe prozentsatz der deppensteuerzahler spiegelt sich in der sehnsucht der österreicher nach dem millionärsleben wieder, die im fitnesscenter-besuch auf der suche nach ihrer identität gipfelt, die anscheinend am ehesten im gewalttätigen muskelberg gefunden werden kann, der - aber hallo! - auch noch intelligent ist. die kehrseite der medaille, auf deren einer seite der klassische deix-österreicher abgebildet ist.
gesundheitsbewußt ist der, wissend, das etwas, wofür man kein geld ausgeben muß, auch nix wert sein kann. und so arbeiten die schafe, um geld zu verdienen, das sie wieder denen geben, die sie zum arbeiten zwingen - indirekt natürlich, über den umweg ihrer eigenen ängste und gedankenlosigkeit, eben der eigenen intelligenz.
es fällt niemandem mehr auf, weil wir es inzwischen zu glauben gelernt haben: nur das subjektive empfinden zählt, und wenn das gegeben ist, gehts uns gut. DAS ist intelligenz.
wir machen einen fehler, wenn wir denen, welchen wir interesse und sympathie entgegenbringen, auch gleich intelligenz zusprechen. es ist heute beinahe nicht mehr möglich, qualitätsmaßstäbe anzusetzen: allein popularität und verkaufsziffern machen den wert aus. was bekannt ist und gut ankommt, ist gleich gut, muß eben deshalb gut sein. diese logik ist ein dogma unserer gesellschaft geworden.
auch wer versucht, sich arrogant von solcher regel abzuheben: im endeffekt sind der sog der menschenmege, die macht der medien und die eigene trägheit zu groß.
ferromonte - 9. Okt. 2003, 11:00
Die israelische Luftwaffe hat den Brigadegeneral Jifta Spektor entlassen. Auch er hatte einen Brief unterschrieben, in dem 27 Kampfpiloten es ablehnten, dicht besiedelte Palästinensergebiete unter Feuer zu nehmen. [via
SPIEGEL ONLINE]
warum erschiessen sie ihn nicht zusammen mit den 27 piloten? weicheier ...
ferromonte - 8. Okt. 2003, 20:30
es passiert mir sein vielen jahren, daß ich einen regelrechten (adrenalin)schock erleide, wenn ich in einem nachrichtentext das wort "autobombe" lese. aus angst vor derselben lese ich statt dessen oft "atombome", und wundere mich aber im nächsten moment, wie es das geben kann: wenn doch eine atombombe explodiert ist, müsste das eine größere schlagzeile sein, eine fette überschrift. also lese ich dann nochmals und entdecke meinen hysterischen fehler.
und vor lauter erleichterung, daß eben keine atombombe sondern nur eine autobombe explodiert ist, lese ich dann meist gar nicht mehr weiter ... und die 3, 5 oder 20 menschen, die durch die explosion der autobombe gestorben sind, spielen keine rolle mehr. wie pervers!
ferromonte - 8. Okt. 2003, 18:31
Das offizielle Österreich ist stolz auf Arnold Schwarzenegger. Es handelt sich bei dem kalifornischen Wahlerfolg des geborenen Steirers um einen Sieg auch für Österreich - so scheint es zumindest. [via
orf.at]
klestil ist stolz, schüssel sieht arnold duch die tolle gratiswerbung als den retter der wirtschaft österreichs, haupt meint "er ist einer von uns" und das ferrero-küßchen freut sich über den tüchtigen steirer buam. das offizielle österreich ist ja so stolz auf ihren vorzeige-bodybuildner, der jetzt gouverneur ist (sprich: gaweana).
zwickts mi, träum ich oder ist arnie wirklich so gut wie alle sagen? bin ich in eine subraumspalte geraten, hab ich einen zeitsprung gemacht, was ist passiert?
in "offen gesagt" neulich kam fast eine andächtig-stille bewunderung für den mann auf, alle enttarnten sich als arnie-fans, alles waren sich einige wie toll und super er ist, und sie spekulierten tatsächlich von einem neuen ansehen für österreich in der welt bzw. den USA.
ich kann das nicht fassen. daß er weltkarriere gemacht hat als österreicher ist ja unumstritten, aber mit welchen mitteln wissen doch auch alle. was gibt es da zu bewundern? wieso ist er jetzt fast ein säulenheiliger?
die spinnen, die ösis.
ferromonte - 8. Okt. 2003, 15:25
Der neue Gouverneur von Kalifornien heißt Arnold Schwarzenegger. Nach aktuellen Hochrechnungen hat sich der "Terminator" klar gegen die übrigen 134 Kandidaten durchgesetzt. Der abgewählte Demokrat Davis gratulierte ihm bereits zum Sieg. [via
SPIEGEL ONLINE]
bei diesem wahlsieg kann man zwei gedanken nicht verdrängen: spätestens seit der bush-wahl vor 3 jahren wissen wir, daß in den USA (und anderswo auch) die ämter gekauft werden können, mit geld. und daß das ausgezählte ergebnis nicht mit dem wählerwillen übereinstimmen muß. soweit nichts neues.
arnold verspricht kernige sachen, er will "das Vertrauen in die Regierung wieder herstellen" (man lese genau!), und auf österreichisch "Ich werde euch nicht hängen lassen". sicher nicht, arnie.
arnold ist ja auch ein befürworter der todesstrafe, also von mord. und er hat kein programm vorzuweisen, außer seinen typisch österreichisch-goscherten sprüchen. und muskelgewicht natürlich.
barbarische zeiten ...
ferromonte - 8. Okt. 2003, 11:11
"Schrott beweist, dass große literarische Entwürfe kein Minderheitsprogramm sein müssen", begründete Kunst-Staatssekretär Franz Morak die Vergabe an den 39-jährigen Lyriker, Essayisten und Übersetzer. Der Schriftsteller zeige, mit welcher Leichtigkeit Erfahrungen und Kenntnisse in große Kunst verwandelt werden könne. [via
orf.at]
na dann sollte sich morak einmal ausrechnen, was eine lesende minderheit ist. wieviel menschen in österreich den neuen schrott-roman wirklch lesen (werden), wieviel menschen überhaupt lesen und wieviel nicht-österreicher österreichische literatur lesen, die nicht bernhard oder handke, rilke oder kafka bzw. andere deutsche schriftsteller sind, die irrtümlich für österreicher gehalten werden.
und wie leicht das alles ist, ja.
schrott sei der preis aber wirklich gegönnt, denn "tristan da cunha" ist zwar nicht leicht zu lesen, aber ein fasznierender dschungel an geschichten, durch den man sich erst mal durcharbeiten muß. morak hat ihn sicher nicht gelesen. das unterstelle ich jetzt mal. wann auch: er arbeitet so viel und intensiv "for the austrian people", daß er die zeit nicht findet. ..
ferromonte - 7. Okt. 2003, 6:31