tilak - 8. Jul, 21:54

mensch ferro

ich bin froh, dass du deine Meinung ohne Emotionen nochmal "relativiert" hast ! Ich war anfangs echt enttäuscht, denn ich habe deine Art die Dinge zu betrachten tlw. sehr bewundert. Aber diese Operation Mord zu nennen, fand ich echt unglaublich. Ich denke seit Tagen darüber nach, wie es sein muss, sich auf den OP Tisch zu legen in dem Bewußtsein, entweder bin ich nachher tot oder getrennt. Ich weiß es nicht. Aber ich kann mir auch absolut nicht vorstellen, so zu leben, wie die Beiden gelebt haben. Ich kann ihren Wunsch verstehen. Sie haben jahrelang darum gekämpft Ärzte zu finden, die das tun. Sie haben den Kampf gewonnen, aber das Leben verloren. Dass diese OP ein Medienspektakel war ist ein anderes Thema, das stört mich schon, aber heute ist das eben so. Ich würde die Ärzte aber keinesfalls als Mörder bezeichnen, denn ich glaube nicht daran, dass sie die Frauen operiert hätten, wenn sie nicht selbst an den Erfolg geglaubt hätten. Mein Bruder wurde 2x im Gehirn operiert, beim 2. Mal mußte er selbst entscheiden, ob er das will oder nicht. Auch er wurde über alle Risiken aufgeklärt und ich fand das arg, denn ich wollte nicht in seiner Haut stecken, so eine Entscheidung treffen zu müsssen. Er wurde 8 Stunden operiert und sie haben ihm im Gehirn alles entfernt was ging, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Es ging alles gut und heute kann er mit seiner Epilepsie ganz gut leben. Aber, wenn eine der erwähnten Komplikationen aufgetreten wäre, hätte ich die Ärzte nicht Mörder genannt.

ferromonte - 9. Jul, 11:44

ja tilak,

die situation deines bruders ist wieder eine andere gewesen. ich finde es stark, was ihr durchgemacht habt und bin froh daß es gut ausgegangen ist.
was diesen konflikt mit verursacht hier, ist mein blickwinkel:
ich sehe das alles mehr aus der perspektive der ärzte, denn ich kenne die branche in wenig, weil ich medizin studiert habe (nicht fertig) und sehr viel mit ärzten und solchen themen, auch OP-situationen zu tun hatte. ich habe bei OPs assistiert, die weniger riskant waren, und dort wesentlich verantwortungsbewußtere ärzte, die viel vorsichtiger mit menschenleben umgegangen sind, erlebt.
aus der sicht der ärzte sollte man das alles zu sehen versuchen, dann wird man meine wut besser nachvollziehen können. die sicht des "patienten" ist genauso wichtig, nur ist der, der in ein bestehedes system folgenschwer eingreift, eben der chirurg/arzt. und deshalb sage ich auch, daß die verantwortung bei ihm liegt. er ist nie gezwunden, einen eingriff durchzuführen, und schon gar nicht am lebensfähigen organismus. wir hatten letztes jahr einen aufschwung in der eugenik-debatte in den medien, und ich erinnere mich an eine TV-diskussion auf 3sat, als es darum gibg, fehlentwicklungen (mißbildungen) mit mitteln der DNA diagnostik frühzeitig zu erkennen und - einzugreifen. was zum derzeitigen standpunkt nichts anderes heißen konnte, als den fötus abzutreiben. da nahmen auch körperlich schwerbehinderte an der diskussion teil, und sie waren sehr aufgebracht. sie sagten, da würde ihnen doch nichts anderes gesagt, als daß menschen wie sie hier, die behinderten, in zukunft verhindert werden sollten. das hat mich sehr beeindruckt. wie können wir "gesunden" überhaupt die lebensqualtität eines behinderten menschen beurteilen?
ich meine das jetzt in weiteren grenzen, nicht nur auf diesen diskussionsteilnehmer hin gemünzt. der meinte nämlich, er liebe sein leben, er habe sich in jahrzehntelanger arbeit und auseinandersetzung mit seiner behinderung abgefunden und arrangiert, und er sei sehr glücklich und wolle kein anderes leben. und schon gar nicht keines. das hat mich damals sehr erstaunt, und bis dahin war ich auch eher so eingestellt wie viele, nämlich: das ist schwierig, wenn die menschen das wollen, mein gott.
aber in der diskussion sah ich dann die "andere seite", die ärzte und die forschung (wobei ich das nicht pauschalisieren will, ist nur auf diesen TV auftritt bezogen), die diese behinderten menschen als forschungs- und geldquelle, als argumentationsbasis für notwendige forschungsintensivierungen verwendeten und mit einer unglaublichen unverfrorenheit in anwesenheit der behinderten ihre lebensfremden weltansichten kundtaten. da ist mir der mund offen stehen geblieben. und einmal mehr habe ich gesehen, was aus menschen werden kann, die fest im geschirr von macht, erfolg, ehrgeiz und geld hängen.
daran dachte ich auch, als gestern in der ZIB 2 die chirurgen sinngemäß sagten, tut uns leid, hat nicht hingehauen. oppla. und dann mit ihrem Z3 (einer jedenfalls, der boss von denen)heimgefahren sind.

ich weiß durchaus, was angst und leid ist, und will das alles nicht mit deinem bruder vergleichen, ich hab ja gelesen, was du früher schon darüber geschrieben hast. es ist eine eigene sache, und ihr habt das glücklicherweise so überstanden, daß sich damit leben lässt, wie ich hoffe und annehme.

was die zwillings-sache betrifft: seit ich einblicke habe in das geschehen in krankenhäusern, seit ich das AKH besser kenne, hat sich meine gute meinung und mein vertrauen, auch mein respekt vor solchen star-ärzten sehr gewandelt. ehrgeiz und persönliche reputation sind meist stärker als das moralische bild vom arzt, der leidenden menschen helfen kann und das auch tut. damit will ich nicht alle ärzte über einen kamm schren, aber eines bin ich mir sicher: keine verantwortungsbewußter chriurg hätte diese OP vorgenommen, keiner. und daher auch meine entrüstung, und mein schlimmes wort, m...

fm.
Zorra - 9. Jul, 13:07

Ich bin ja

auch keine "Götter in weiss"-Verehrerin. Ueberhaupt nicht. Du schreibst ein verantwortungsvoller Chirurg hätte das nie gemacht. Kann sein. Aber ich denke, einmal ist immer das erste Mal. Bei Kindern klappen ja solche Operationen ab und zu, und da wird meistens kein solches mediales Theater drum gemacht. Wir leben nun mal in einer Zeit des Fortschritts, mit allen Vor- und Nachteilen.
tilak - 9. Jul, 13:50

@ferro

ich verstehe dich jetzt besser. Aber es ist wohl das ewige Thema zwischen Wissenschaft und Forschung. Die Atombombe wurde erfunden, aber was damit gemacht wurde war erschreckend. Und die Angst vor dem Atomkrieg begleitet uns jetzt durchs Leben.
Ich sah es halt eher aus der Sicht des Patienten.
Und ausserdem, was wäre gewesen, wenn es geklappt hätte ?

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