Steigender Meeresspiegel
Buenos Aires/Washington - Durch rasant ins Meer rutschende Gletscher in der westlichen Antarktis könnte der Meeresspiegel nach Schätzungen argentinischer Forscher um bis zu sieben Meter ansteigen. Dies hätte weltweit katastrophale Folgen für dicht besiedelte Küstenregionen.
Eine solche Entwicklung könne in einem Zeitraum von 50 bis 200 Jahren eintreten, warnte Hernan de Angelis vom Argentinischen Antarktis-Institut in Buenos Aires am Donnerstag. Grund sei eine regionale Erwärmung des Klimas um 2,5 Grad Celsius während der vergangenen 50 Jahre.
Rutschen untersucht
Gemeinsam mit seinem Kollegen Pedro Skvarca untersuchte der Wissenschafter die Entwicklung von Antarktis-Gletschern nach dem Auseinanderbrechen des Larsen-Eisschelfs. Diese 700 Kilometer lange vor der Küste schwimmende Eisbarriere hatte sich in dem ungewöhnlich milden Sommer 1994/1995 aufgelöst. Die Wissenschaftler fanden nun erstmals Hinweise darauf, dass die Gletscher "zwar in Zeitlupe, aber im Prinzip wie eine Lawine ins Meer rutschen", sagte De Angelis.
So habe die Auswertung von Satellitenaufnahmen und Luftbildern ergeben, dass zum Beispiel der Sjögren-Gletscher im Jahre 2001 mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,4 Metern pro Tag Richtung Meer glitt. Noch 1999 habe sich das Eis nur einen Meter pro Tag in Richtung Küste bewegt, schreiben die beiden Forscher in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschaftsjournals "Science" (Bd. 299, S. 1560).
Packeis als Deich
Die Untersuchungen hätten erstmals Beweise dafür geliefert, dass die alte Vorstellung vom Packeis als "einer Art Deich gegen das Abrutschen des Festlandeises ins Meer" doch richtig gewesen sei, sagte Skvarca. Zwischenzeitlich waren die meisten Antarktis-Forscher davon ausgegangen, dass die vor der Küste schwimmenden Eisriegel für das Verhalten der auf Felsen aufliegenden Gletscher weitgehend bedeutungslos seien.
Auf Luftaufnahmen von tief fliegenden Flugzeugen aus seien deutlich starke, turbulente Kräfte innerhalb der Gletscher zu beobachten, die zu Verwerfungen und wellenartigen Oberflächenstrukturen führten. Dies seien klare Anzeichen dafür, dass mehrere Gletscher schon ins Rutschen geraten seien. An umliegenden Berghängen seien Eisränder zu sehen, die auf ein schnelles Absacken der Gletscheroberflächen hinwiesen, sagte Skvarca weiter.
Zahlreiche Daten fehlen noch
Allerdings müssten noch viele Daten zusammengetragen werden, um die Entwicklung vollständig zu verstehen. Vielerorts sei nicht einmal bekannt, wie dick die Eisschichten überhaupt seien. An einigen Stellen sei das Eis 700 bis 1.000 Meter stark. Auch gebe es kaum Wissen über die Temperaturen im Inneren der Gletscher, noch über Wassertemperaturen in verschiedenen Tiefen und Strömungsverhältnisse. "Hier gibt es noch großen Forschungsbedarf", sagte De Angelis.
Auch die Gründe der regionalen Erwärmung in der Westantarktis seien noch nicht klar. Die globale Erwärmung spiele sicher eine wichtige Rolle, aber in anderen Teilen der Antarktis seien die mittleren Jahrestemperaturen sogar um einige Dezimalstellen gefallen. Für die Auflösung der Packeisbarrieren spielten auch die Strömungsverhältnisse und die Wassertemperaturen ein wichtige Rolle, betonte Skvarca. (APA/dpa)
Eine solche Entwicklung könne in einem Zeitraum von 50 bis 200 Jahren eintreten, warnte Hernan de Angelis vom Argentinischen Antarktis-Institut in Buenos Aires am Donnerstag. Grund sei eine regionale Erwärmung des Klimas um 2,5 Grad Celsius während der vergangenen 50 Jahre.
Rutschen untersucht
Gemeinsam mit seinem Kollegen Pedro Skvarca untersuchte der Wissenschafter die Entwicklung von Antarktis-Gletschern nach dem Auseinanderbrechen des Larsen-Eisschelfs. Diese 700 Kilometer lange vor der Küste schwimmende Eisbarriere hatte sich in dem ungewöhnlich milden Sommer 1994/1995 aufgelöst. Die Wissenschaftler fanden nun erstmals Hinweise darauf, dass die Gletscher "zwar in Zeitlupe, aber im Prinzip wie eine Lawine ins Meer rutschen", sagte De Angelis.
So habe die Auswertung von Satellitenaufnahmen und Luftbildern ergeben, dass zum Beispiel der Sjögren-Gletscher im Jahre 2001 mit einer Geschwindigkeit von bis zu 2,4 Metern pro Tag Richtung Meer glitt. Noch 1999 habe sich das Eis nur einen Meter pro Tag in Richtung Küste bewegt, schreiben die beiden Forscher in der jüngsten Ausgabe des US-Wissenschaftsjournals "Science" (Bd. 299, S. 1560).
Packeis als Deich
Die Untersuchungen hätten erstmals Beweise dafür geliefert, dass die alte Vorstellung vom Packeis als "einer Art Deich gegen das Abrutschen des Festlandeises ins Meer" doch richtig gewesen sei, sagte Skvarca. Zwischenzeitlich waren die meisten Antarktis-Forscher davon ausgegangen, dass die vor der Küste schwimmenden Eisriegel für das Verhalten der auf Felsen aufliegenden Gletscher weitgehend bedeutungslos seien.
Auf Luftaufnahmen von tief fliegenden Flugzeugen aus seien deutlich starke, turbulente Kräfte innerhalb der Gletscher zu beobachten, die zu Verwerfungen und wellenartigen Oberflächenstrukturen führten. Dies seien klare Anzeichen dafür, dass mehrere Gletscher schon ins Rutschen geraten seien. An umliegenden Berghängen seien Eisränder zu sehen, die auf ein schnelles Absacken der Gletscheroberflächen hinwiesen, sagte Skvarca weiter.
Zahlreiche Daten fehlen noch
Allerdings müssten noch viele Daten zusammengetragen werden, um die Entwicklung vollständig zu verstehen. Vielerorts sei nicht einmal bekannt, wie dick die Eisschichten überhaupt seien. An einigen Stellen sei das Eis 700 bis 1.000 Meter stark. Auch gebe es kaum Wissen über die Temperaturen im Inneren der Gletscher, noch über Wassertemperaturen in verschiedenen Tiefen und Strömungsverhältnisse. "Hier gibt es noch großen Forschungsbedarf", sagte De Angelis.
Auch die Gründe der regionalen Erwärmung in der Westantarktis seien noch nicht klar. Die globale Erwärmung spiele sicher eine wichtige Rolle, aber in anderen Teilen der Antarktis seien die mittleren Jahrestemperaturen sogar um einige Dezimalstellen gefallen. Für die Auflösung der Packeisbarrieren spielten auch die Strömungsverhältnisse und die Wassertemperaturen ein wichtige Rolle, betonte Skvarca. (APA/dpa)
ferromonte - 8. Mär. 2003, 12:11
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