...

nach diesen intensiven wochen wirkt das alleinsein wie ein gigantischer verstärker: mir ist beim gehen, als hätte sich das gehirn nach aussen gestülpt und bildete nun gleichsam einen konvexen schirm vor meiner stirn, wie eine innenansicht der schädelkalotte .. wenn man damit etwas anfangen kann. ich sauge alles enorm intensiv ein, sehe die menschen auf der strasse erstaunlich sachlich und neutral, nüchtern könnte man sagen. die sprache der kleidung scheint mir plötzlich vertraut, die dazugehörige haltung, der auftritt. die ganze welt ist bühne, es ist wirklich so.
die wohnung ist leer und fremd, ausgestorben plötzlich. allein die vielen leeren frucadeflaschen erinnern an ihn. er müsste längst in f. angelangt sein.
ich stelle die möbel in meiner wohnung um. schreibtisch und bett werden 90° verdreht; es bleibt vorerst ein experiment, das resultat wird den ausschlag geben ob es ein dauerzustand wird.
ich sehe klar wie erinnerung funktioniert, und daß sie nur geschehen kann, wenn eine sache abgeschlossen und wirklich vorbei ist. was für eine wunderbare und schreckliche sache das erinnern ist! (remember to remember, h. miller) sie ist DAS instrument, das lernen aus der vergangenheit ermöglicht.
lesen lekt ab: "Don Juan de La Mancha", menasses neuer roman. eine (selbst)ironische spiegelung des (liebes)lebens eines einsamen intellektuellen in unserer stadt, im kleinen merkwürdigen österreich allenfalls. ein rückblick in die letzten jahrzehnte. und ohne den wunderbaren wiener humor, ohne die geistreichen exkurse wäre es erstaunlich langweilig;
sätze wie: "Karrieristen sind auf Kurs, Liebende auf Exkurs" und "Der Schritt vom Kinderzimmer in den öffentlichen Raum ist das Entscheidende, und nicht die Tatsache, dass der öffentliche Raum wie ein Kinderspielplatz aussah - das hat er immer getan." genieße ich sehr.

meldung des tages

paul hat eben level 70 in WoW erreicht.
da muss man schon gratulieren, obwohl es ja eigentlich kein anlass zur freude ist ... 22 tage, 21h hat er dran gearbeitet. mein gott.

...

in den grauen sommertagen der stadt liegt eine mahnung: was geschehen wird, wenn du im halbschlaf das leben ausrinnen lässt. die erinnerungsschatten sind aber zu bunt und zu laut, um dem schlaf überhand zu lassen. also scharre ich an der wand, eine oder zwei rillen in den staub, winke mit dem roten halstuch und mache mich auf den weg.
nach dem regen sind die böden kühl und feucht, es zieht mich nach innen und im federn der unruh wird eine lebensfreude wach, die mich jauchzen lassen will, würde ich sie nicht mit dem bleihelm der gedankenfessel aus dem mittelalter niederbiegen ...

draussen dann, in der feuchten dämmerung, zwischen den schritten, während der körper sich langsam erhitzt und die gedanken aus der kreisbahn in die gerade und die dritte dimension kommen, erkenne ich einmal mehr die fundamentale richtigkeit: wir machen unser leben selbst, es entspricht genau unserem wesen. die möglichkeit zur veränderung haben wir in jeder sekunde. alles verändert sich im "organischen" tempo, also langsam, und unsere ungeduld ist oft unser größter feind. aber im ganzen gesehen gibt es keinen stillstand. es gibt nur die immerwährende bewegung, das leben.

langsame rückkehr

das erleben am meer ist immer so intensiv, daß ich tage brauche, um wieder mitzubekommen wie die welt ist, in die ich zurückgekehrt bin. die ersten tage leuchtet die sonne in mir weiter, ich höre noch die geräusche des meeres und sehe die bilder wie einen eisernen vorhang vor der stadt. langsam schleicht sich die lokale realität hier ein, ergeifen die niedrigen frequenzen teilweise besitz und es beginnt die tägliche arbeit, wach zu bleiben.

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alt und gut



packen ...

und nun doch ein wenig planen für die reise ins "unbekannte" (und doch bekannte). den vormittag mit web-recherche verbracht, einiges ausgedruckt, das web bietet so viel material - ist wirklich sehr praktisch. ein karte muss ich noch kaufen, meine alte italien-karte ist 20 jahre alt, sie hat mit auf der tangenziale in milano mehrmals schutz vor heftigen regengüssen geboten, wurde später mit klarsichtfolie überklebt um dem verfall zu entgehen, aber jetzt ist der zeitpunkt für ein nachfolgemodell gekommen. am dienstag morgen ist abfahrt. diesmal werde ich auch gewisse accessoires nicht vergessen, die ich sonst immer gerne vermisse.
das zelt ist nagelneu, andere teile altbewährt. morgen werden wir noch ein paar ergänzungen der ausrüstung bei herrn eybl machen, dann haben wir das wichtigste. ich würde gerne die alte spiegelreflex mitnehmen, aber ich weiß nicht so recht ...
paul kommt heute abends in wien an, er weiß nicht, was auf ihn zukommt, genausowenig wie ich es weiß. er hat sogar den schlüssel für die wohnung auf sardinien mit, wir haben wirklich viele möglichkeiten. ich freu mich sehr.

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Corona und 2020
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