ach oesterreich

wahlkampf auf österreichisch: offene briefe

die österreichischen politischen parteien haben eine neue form des wahlkampfes erfunden: den offenen brief an die tageszeitung.
nach gusenbauer und plassnik nützt jetzt peter pilz die gunst der stunde und das gesetz der serie, er doppelt der roten aberwitz auf, besser: tripelt ihn auf, denn die frau plassnik dürfen wir ja nicht vergessen.
pilz endet so:
"Wetterfahnen zeigen das Wetter an. Gute Politik ist wetterfest. Bei uns Grünen können Sie sich darauf verlassen."
pilz wäre soviel besser als werbetexter (=pressesprecher) der SPÖ oder ÖVP aufgehoben.

petition für arigona zogaj

zeigen sie zivilcourage, österreicherInnen, und unterschreiben sie hier die petition an minister platter:
http://www.gopetition.com/online/15775.html

gusenbauers fall

erster eindruck: gusenbauer und die spö lassen sich wie die rotzbuben von schüssel vorführen.
da gewinnen sie eine wahl und opfern daraufhin ALLES einer großen koalition mit der övp, die genau so aussieht, wie schüssel es zu beginn der verhandlungen schon gesagt hat: "das eigentliche entgegenkommen besteht in unserer gesprächsbereitschaft mit der spö".
opfern alles der möglichkeit, in der regierung zu sein und den "sandkastenkanzler" zu stellen, alle wahlversprechen und jeden wesentlichen ministerposten (finanzen, innen- und aussenminister, wirtschaft, landwirtschaft, wissenschaft, gesundheit) - das hätte ich mir von gusenbauer nicht erwartet. oder ich wollte es wohl nicht wahrhaben. (zwingt er sich selbst zu einem phyrrussieg?) es geht alles weiter wie bisher -- und steuererhöhungen natürlich, höhere krankenkassengebühren. studiengebühren bleiben, wer sie nicht zahlen will soll arbeiten gehen. das hatte schon die övp so gesehen. von den EF redet plöztzlich niemand mehr, würde die idylle stören.
als draufgabe sollen 16jährige wählen gehen. was sie sich davon versprechen? eine höhere wahlbeteiligung? im gegenteil: die wird unter die 50% fallen. mehr wähler für die rechten parteien: das könnte aufgehen.

gehts der wirtschaft gut, gehts den menschen gut

lesenwertes interview mit lahmer ente bachler, dem absitzenden burgtheaterdirektor im profil.

"... Das alles kulminiert in dem zynischen Satz: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Menschen gut.
profil: Ein Satz, den immerhin der Bundeskanzler gern verwendet …
Bachler: … wodurch er trotzdem nicht richtiger wird. Das Umgekehrte ist nämlich wahr: Wo es den Menschen schlecht geht, steigt der wirtschaftliche Erfolg. Es gibt heute keine Arbeitswirtschaft mehr, sondern nur noch eine Geldwirtschaft. Kritik an dieser Entwicklung ist nicht erwünscht. Alle reden von Wachstum, niemand denkt in diesem Land ernsthaft über die einzige Ressource nach, die uns noch bleibt – den menschlichen Geist, den letzten unerschöpflichen Weltrohstoff sozusagen. Wir können unsere Zukunft nur in die Bildung investieren. In Österreich liegt nun aber die einzigartige Situation vor, dass sich das gesamte Bildungswesen in den Händen einer Flöte spielenden Volksschullehrerin befindet, die völlig immun gegen jede Kritik ist und nur auf die Hochrufe ihres Chefs reagiert. So schlittert sie dahin und erntet dafür bestenfalls Schweigen und Schulterzucken."

landvermessung

da gibt es doch diese anthologie österreichischer literatur nach 45, um die es genauso schnell wieder still wie laut geworden ist.
neulich gehe ich also an der buchhandlung am schottentor vorbei und sehe einige einzelne bände um 2.50€ in einer wühlkiste rumliegen, und konnte irgendwie nicht widerstehen (vielleicht hat man in der sommerhitze mal zeit ...); da wäre etwa band1, eine sammlung von essays. eine lange liste von autoren sind da im inhalt angeführt, immerhin sind es über 700 seiten - und neben österreichischen autoren wie handke, grieser, jandl, mauthe, menasse, ja sogar torberg, findet man dann, da schau her, luc bondy und peter sloterdijk; hermann nitsch, und erwin chargaff; norbert leser. konrad paul liessmann.
ja hallo, denk ich mir da, was ist denn das? eine anthologie österreichischer literatur nach 1945? die herausgeber dachten sich offenbar, man muß nicht österreicher sein um österreichische literatur zu schreiben; und man braucht kein schriftsteller zu sein, um literatur zu schreiben. sicher nicht, aber trotzdem schreibt k.p. liessmann keine literatur, und norbert leser, hermann nitsch (der ja nicht einmal die deutsche sprache beherrscht, woher auch) und erwin chargaff tun das auch nicht. luc bondy, bei allem respekt, ist weder österreicher noch literat; ebenso sloterdijk. was also tun sie in einer - wenn auch von anfang an merkwürdigen - anthologie österreichischer literatur nach 45?
entweder sollte es keine anthologie österreichischer literatur werden; oder die herausgeber hatten bei der erstellung ihres konzeptes zu stark dem guten österreichischen wein zugesagt, jedenfalls ist da was schiefgegangen.

übrigens:
echte österreichische literatur, das hab ich jetzt schwarz auf weiß, hört sich so an: "... Der Tod ist eine Sau, weil er uns alle pudern wird. Aber die größte Schweinerei von diesem Tod ist die Nettigkeit, seine Geläufigkeit. Zum Beispiel der "Kafka Gedenkraum Kierling", das ehemalige Sanatorium Hoffmann, wo Franz Kafka am 3. Juni 1924 gestorben und somit endgültig nicht-gscheitert ist. ..."- wow. so beginnt herr franzobel (einer unserer nobelpreiskandidaten, neben zeilinger und schüssel*) einen aufsatz mit dem titel "die attraktion der österreichischen phantasmagorie".

*friedensnobelpreis

ad orf

daß der orf fest im griff der österreichischen regierung ist, wissen wir hierzulande schon länger. dementsprechend fällt ein neuerlicher beitrag zum thema studiengebühren aus, der die wähler in stimmung bringen soll für den heißen (wahl)herbst in österreich.
daß aber die deutschkenntnisse einzelner mitarbeiter so miserabel sind - selbst wenn es sich um eine online-redaktion handelt, die naturgemäß eine schwierige position einnimmt - , daß wir jetzt schon sätze wie "Gegner beschwörten den Bildungsnotstand herauf ..." hinnehmen müssen, ist schon eine wirklich traurige sache.
wenn es nicht so lächerlich wäre.

ab in die westentasche

da schreitet er flott in orangen hosen einher, peter hojac, bekannt auch als peter westenthaler (wenn man hojac heißt, lässt sich nicht so optisch ungetrübt die ausländerkeule schwingen - für alle nicht-ösis); wenn man sich die geschichte hier reinzieht, gewinnt man den eindruck, daß schüssel wirklich alles auf die karte "absolute mehrheit" setzt.
wenn das wirklich unser schicksal hier in ösiland sein soll .. nur zu. ab in die westentasche.

extremes glück

der schiedsspruch im streit zwischen bloch-bauer erbin maria altmann und der republik österreich ist gefällt, und er wird die die bloch-bauer erbin maria altmann und ihren anhang "extrem glücklich machen". hähä, das glaub ich. sie werden extrem glücklich sein, diese von ihnen so sehr geliebten, immer als amputiertes körperteil empfundenen klimt-bilder ihr eigen nennen zu können, sie zu besitzen; und extremes glück wird auch die unendliche genugtuung sein, die sie empfinden müssen, wenn endlich recht geschieht und ihr besitz, von den nazis geraubt und dem österreichischen staat übergeben, von diesem stillschweigend und habgierig einkassiert und stolz in seinen wiener museen zu schau gestellt, wenn ihr besitz also wieder nach hause kommt, in das sonnige kalifornien, wo dann auch z.b. ein dicklippiger steirer, der immer wieder den daumen senkt um den massen zu gefallen (oder weil es ihm sein gewissen gebietet, wer weiß das schon), diese wunderbaren kunstwerke betrachten kann, und sozusagen auf indirekte weise als kulturbringer auftreten kann, warum auch nicht, irgendeinen grund muß er ja anbieten um wiedergewählt zu werden, der daumen allein wirds nicht machen. denn wenn der steierer mit der dicken lippe dann heuer wieder gewählt würde, würde auch er extrem glücklich sein.
wer noch extrem glücklich sein wird, das sind die anwälte; und unsere bundesministerin frau liesl gehrer, auch sie wird extrem glücklich sein, weil alles so ordentlich abgelaufen sein wird, und recht gesprochen wurde, und sie es eh immer gesagt hat und auch wollen hat, daß die bloch-bauer erbin maria altmann ihr eigentum endlich wieder zurückbekommen soll, nach so vielen jahren, so vielen jahren der trennung von ihren geliebten bildern, ach wird diese gute frau glücklich sein.
bedanken werden sich all die extrem glücklichen natürlich beim österreichischen volk, das die anwaltskosten bezahlt, weil es die republik ist, weil es der souverän ist, der das alles auch unbedingt klären wollte und zu diesem zweck seine extrem kompetente vertreterin in kulturellen und bildungs-dingen, frau geher, beauftragt hat, diese sache ein für allemal vor gericht zu klären, die sache mit dem legat und so .... und so haben die österreicherinnen und österreicher wieder einmal viele menschen extrem glücklich gemacht. wie schön!

und am ende wird die republik österreich vielleicht eines oder mehrere bilder dann zurückkaufen, um hundert oder mehr millionen euro, und dann wird die republik extrem glücklich sein, also wir selbst werden extrem glücklich sein: so haben wir uns selbst (oder vielleicht doch mehr den herrn seipel, der dieses extreme glück auch braucht, nachdem ihm doch so hinterlistig die saliera weggenommen wurde) extrem glücklich gemacht.
ist das nicht schön?

überflieger

ausgesprochen kabarettreif, wie in sachen us-überflüge (das war vor zwei jahren!!) von dieser regierung herumgegackt wird. ich kann mir die amis gut vorstellen, wie sie nicht einmal mehr lachen über das offizielle österreich. ich würde lachen, wäre das nicht ein beweis mehr für den dillettantismus der regierung hier ...

hauch von monarchie

ein hauch von monarchie weht durch das neue parlament mit seinem mediengespickten besucherzentrum. marketing ist eben alles, und wie vornehm die in schwarz gehaltene innenausstattung des zugebauten besucherzentrums. da wird das regieren gleich viel besser klappen (das ist uns die 30mio. euren schon wert), gell (wir erinnern uns jetzt nicht an die universität wien, wo immer wieder teile abbrechen und abstürzen und studenten erschlagen, an die unerträgliche raumnot und die fehlenden mittel für die gute ausbildung der studenten).
wenn herr kohl dann zu uns spricht und immer öfter ein "wir" im sinn eines majestätischen plurals einflicht, dann fühlen wir uns sicher und mondän, denn:
... drüben am ballhausplatz muß ein guter vater wohnen.

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