tellkamp - der sieger? edit

uwe tellkamp hat eben die jury von sich überzeugt, merkwürdigerweise.
hat ja sowas von nichts von avantgarde an sich, er ist epigon und neuromantisch, wenn man mich fragen würde. alles bis ins winzigste inszeniert (film, auftritt, text), das ganze wirkt unsympathisch, sicher kann der herr schreiben, aber das ganze ist doch komplett anachronistisch, aufgesetzt und kulturgekrochen.
finde ich hochinteressant, daß die alles so jubeln. (welch uneingestandene sehnsucht nach der vergangenheit ...) aber warten wir noch auf burkhard spinnen. der war bis jetzt unbestechlich. immer.
klaus nüchtern enttäuscht mich hier, wieso sagt er nicht mehr kritisches dazu. er könnte ihm ordentlich auf den pelz, den feschen, rücken. stattdessen kneift er und schmiegt sich dem rest der jury an. will wohl den jury-job behalten.

edit: es gibt so unerträgliche passagen in tellkamps text, etwa "unter der Aufsicht bärbeißig dreinblickender Kasachen, Turkmenen oder Georgier mit pechschwarzem Haar, niedriger Stirn und blauschwarz schimmerndem Bartwuchs", die scheinbar keine(n) gestört haben. bei julie zeh, die einen enttäuschenden beitrag ablieferte, war man da gleich sehr betroffen über kategorien "blondes, blauäugiges mädchen = gutes mädchen" etc.;
man hat den eindruck, als wären die wesentlichen dinge abgesprochen: diese einhellige begeisterung für einen uninteressanten text, man hat sich da den preisträger vorher schon ausgesucht. "große literatur", was für ein unsinn. und die juroren sind offenbar auch mehr an ihrem devoten verhältnis zu chefin radisch interessiert, um nächstes jahr wieder mit dabei zu sein. wäh.
dejavu - 25. Jun, 20:39

Kulturindustrie

Alle wollen sie an der Kulturindustrie partizipieren.
So einfach ist es, - denke ich...

ferromonte - 25. Jun, 21:06

ob es auch ohne geht?
albannikolaiherbst - 26. Jun, 10:33

Aber Sie w i s s e n doch, daß der Sieger fast gundsätzlich vorher feststeht.

Im übrigen gilt wie bei jeder demokratischen Urteilsfindung: Es wird mediok abgehen, da sowohl Spitzen als allerdings auch die Tiefen weggeschnitten werden in einem auf Abstimmung beruhenden Verfahren. Können Sie sich vorstellen, daß bei einem solchen Wettbewerb jemals ein Genet einen Preis bekommen hätte?
Man darf den Leuten wiederum auch nicht verübeln, daß sie furchtsam sind, schließlich haben sie alle Hypotheken für ihre Häuser abzutragen.

ferromonte - 26. Jun, 11:11

ja. aber das schlimme ist ja, daß das schon alles die eigendynamik des "kulturbetriebes" ist:
solche leute, nämlich leute, die bestechlich sind, weil entweder zu dumm um literatur erkennen zu können sind, oder eben weil sie ihre häuser und autos abzahlen müssen, bestimmen für millionen von menschen und lehrern, inkl. germanistikpfrossoren auf universitäten, was im eigenverständnis eines landes, eines sprachraumenes, literatur zu sein hat.
junge autoren gehen aber hin und stellen sich diesem verlogenen irrsinn (tatsächlich mit castingshows a la "superstar" vergleichbar, insofern trifft raab den nerv), weil sie medienpräsent sein wollen, das geld brauchen (nicht um ihr haus abzuzahlen sondern die stromrechnung, die miete und das essen), einen ordentlichen verlag wollen - alles dinge, die ihnen doch ohne diese prostitution zustehen würden, wenn sie wirkliche künstler sind oder wären.
sehen sie sich den tausendsassa tellkamp an. er wirkt wie ein gemachtes kunstprodukt und inszeniert sich auch so, daher ist er so uninteressant. und er weiß, daß er so erfolgreich ist.
und die jury weiß es auch, und die haben da kein problem, weil sie ja selber kleine bohlens sein wollen und ihre bank befriedigen müssen. arme welt.
natürlich: kein genet, auch kein camus etc ...
oops - 26. Jun, 14:37

wer ist dein favorit?
hast du alle beiträge gesehen/gehört/gelesen?

muss zugeben, habe nicht die geduld alles nachzulesen, bei manchen autoren sinkt mein interesse weiterzulesen schon bei den ersten absätzen

ferromonte - 26. Jun, 15:46

herrndorf und balaka; beide von klaus nüchtern vorgeschlagen, der wenigstens humor in die runde brachte, wenn auch sonst nicht allzu viel.
geht mir gleich, was das verfallende interesse meist schon nach den ersten sätzen betrifft.

zum wettlesen in klagenfurt denke ich mir jetzt: es ist haarscharf dasselbe wie starmania/deutschland sucht den superstar.
oops - 26. Jun, 16:06

kann sein (hab starmania nie gesehn)
das interessante daran finde ich ist einfach neues zu lesen

und der text den ich ich gesehen habe hat mich für einige zeit bei 3sat gehalten
albannikolaiherbst - 26. Jun, 18:48

Diese "jungen Leute", die durchaus mitunter ältere sind,

etwa ja auch ich selbst oder Hilbig oder Wolgang Held oder Martin R. Dean usw. w i s s e n das aber von vornherein; an so etwas teilzunehmen, kann auch den Grund haben, Position zu zeigen, mehr nicht, aber das ist nicht unwichtig: zu zeigen, daß es da noch eine a n d e r e Literatur, daß es da,mit einem Wort, K u n s t gibt. Auch wenn einen das letztlich einen Preis kosten wird. (Mich hat mein Auftritt 1983, unmittelbar nach Goetzens Stirnschnitt, einiges mehr gekostet; bereut habe ich das aber nie; mein zweiter Auftritt, 1996, stand schon ganz im Zeichen der Feindschaft. -- Zusatzbemerkung: Man muß es sich leisten können,sich vornehm aus dem Betrieb zurückzuziehen. Wenn Handke das tut, wenn Th.Bernhard das - in späteren Jahren - tat, von Pynchon ganz zu schweigen, so hat das Aufmerksamkeitswert. Verschwände ich, verschwände, sagen wir, Paulus Böhmer, es --- fiele einfach nicht auf. Und die Literaturen stürben. - Die Sachverhalte sind immer kompliziert, nie einfach.)

ferromonte - 27. Jun, 10:23

die sachverhalte sind immer kompliziert, nie einfach.
ja, das ist schon wahr. auch das "position beziehen" ist wichtig, sicher.
und leider auch ihre zusatzbemerkung.
vielleicht ist das aber auch gut so, denn das echte, wirkliche ist immer auch schwer. und schön.
ferromonte - 27. Jun, 13:01

reine theorie

nachtrag: die spitze der juroren (spinnen, miller ..) ist ja theoretisch großartig, aber eben sind sie reine theoretiker. nichts weiter.
mit den treffen der gruppe 47 (wie historisch verglichen wurde)hat das alles reichlich wenig zu tun.

oops - 27. Jun, 13:32

also hat er doch gewonnen
was_es_ist - 1. Jul, 14:41

aber nein, hast du nicht zugehört, die reine theorie ist doch notwendig, um eine neue avantgarde auszubilden. tsss ...

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