vor 12 jahren

wenn man die rotenturmstraße vom stephansplatz richtung schwedenplatz entlang geht, kommt man an vielen bars vorbei, die diese einkaufsstraße durchflechten.
vor etwa 12 jahren, du warst gerade zwei jahre alt, paul, tranken deine mutter und ich an einem spätsommernachmittag in einer dieser bars kaffee, aus einer laune heraus. ich weiß noch, daß wir lachten, und wir saßen keinen meter von der großen glasfront des cafes entfernt; als ich den kopf zur seite drehte, sah ich draußen direkt vor der scheibe eine junge frau, die stehengeblieben war und uns anschaute. und weinte. ich erinnere mich wie betroffen ich war, auch wenn ich mir kaum etwas anmerken ließ. aber doch aufstand und zu ihr hinausging und sie fragte, was denn geschehen sei; sie auffordete, mit rein zu kommen und etwas mit uns zu trinken. wie sie den kopf schüttelte, sich entschuldigte und weinend meinte es sein nichts, wir sähen nur so glücklich aus, ihr aber ginge es nicht gut.
bis heute fällt mir immer wieder diese szene ein, wenn ich an diesen lokalen vorbeikomme. ich weiß nicht mehr genau, welche bar es war; ob es sie überhaupt noch gibt. aber das gefühl bleibt mit dem ort verbunden. oft schau ich durch glasfronten ins innere eines lokals und versuche, am inventar das cafe von damals wieder zu entdecken.
fände ich den ort von damals, würde ich wahrscheinlich drinnen einen melange trinken, durch die scheiben auf die straße hinaussehen und mich fragen, wieviele dort draußen weinen, auch wenn man es nicht sieht und wenn sie nicht stehenbleiben um durch die scheibe reinzuschauen. sie sähen dort auch keinen lachenden mann, sondern einen ernst oder abwesend dreinschauenden, merkwürdigen (gutaussehenden) typen mit verstrubbelten haaren und einer etwas schmuddeligen lederjacke, deren oberster knopf fehlt. deshalb friere ich, wenn ein kalter wind durch wien weht, heute am ersten frühlingstag, aber das stört mich nicht im geringsten.
knutschflower - 2. Mrz, 09:42

...

aber doch aufstand und zu ihr hinausging und sie fragte, was denn geschehen sei; sie auffordete, mit rein zu kommen und etwas mit uns zu trinken.
Tolle Geste. Würdest du das heute wieder so machen?

ferromonte - 2. Mrz, 15:38

aber sicher. wenns auch ein wenig mit der eigenen befindlichkeit zu tun hat, die ja die wahrnehmung beeinflußt.

Trackback URL:
http://ferromonte.twoday.net/stories/1639678/modTrackback

User Status

Du bist nicht angemeldet.

free text

aus dem bildarchiv:

voegelik6

wird gehört


Don Pullen
New Beginnings


Sarah Vaughan
Black Coffee


counter

suche

 

recently modified

meltemi
er hat sich auch nach dem kykladischen nordwind benannt,...
ferromonte - 4. Sep, 07:11
ja, es ist schon etwas,...
ja, es ist schon etwas, es wirklich zu ertragen. es...
ferromonte - 29. Jul, 11:03
ich fürchte genau...
ich fürchte genau das, es zu ertragen, lernen...
Weberin - 29. Jul, 10:56
es ertragen - loslassen
was haben wir noch gelernt? außer: es zu ertragen...
ferromonte - 29. Jul, 10:45
amnesie für steuerbetrüger!
und grasser soll auch endlich in ruhe gelassen werden,...
ferromonte - 30. Mai, 19:26
morgens
sommer, der in die zweite runde geht. zwilling schon...
ferromonte - 29. Mai, 08:56
Schubert
nichts passt besser in den kühlen frühling...
ferromonte - 6. Mai, 08:25

Status

Online seit 5644 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 19. Jun, 15:15

RSS Box

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB